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Als Zivilisatorische Entfremdung wird im Gegensatz zur romantischen Entfremdung jene Form der Alientation bezeichnet, die nicht unmittelbar und aktiv hervorgerufen wird, sondern allenfalls als Epiphänomen eines bewusst herbeigerufenen Prozesses auftritt.

Im Näheren wird bei der zivilisatorischen Entfremdung irgendein Aspekt des Menschen von seiner natürlichen, instinktiven Wahrnehmung hin zu einer neuen, meist willkürlichen Einschätzung entfremdet.

BeispielBearbeiten

Das Beispiel eines Kindes kann die zivilisatorische Entfremdung veranschaulichen. Das instinktive, tradierte Verhältnis zu einem Kind inhäriert eine gewisse »Rührseligkeit« dem Kind gegenüber (je jünger, desto stärker) und macht meinen, ein Kind sei besonders liebenswürdig (wobei auch Liebenswürdigkeit dem Relativismus unterworfen ist, weil ein Körper nicht unmittelbar Liebenswürdigkeit an sich trägt). Durch die zivilisatorische Entfremdung kann die Einschätzung wachsen, dass ein Kind nur ein Mensch in einem früheren Entwicklungsstatus ist. Ein Mensch also, der noch nicht voll ausgereift ist. Alle Spielereien und Aphorismen zu den Kindern erscheinen in diesem Lichte wie Täuschung. Denn die Ehrlichkeit könnte man als unausgereifte Ausdrucksweise und das Spielen als unbeholfenes Training für das Leben interpretieren.

AuswirkungenBearbeiten

Die zivilisatorische Entfremdung könnte im Extremfall zu einer lebensfremden Wertehaltung oder zu depressiver Weltsicht führen. Andererseits könnte vom kulturellen und wissenschaftlichen Standpunkt auch ein Reifungsprozess ausgemacht werden.

Siehe auchBearbeiten