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Als Romantische Schwäche wird im Romantischen Materialismus eine Wesensart bezeichnet, die in der allgemeinen Empfindung als Schwäche interpretiert wird, die aber romantischen Charakter hat.

Nähere ErläuterungBearbeiten

Die gegenwärtige Zusammensetzung der Werte bezeichnet diejenigen Elemente der Gesellschaft als stark, die, wie man sagt, »wissen, was sie wollen«, die überwinden und sich nicht mit Vergangenem aufhalten. Diese Sichtweise mag durchaus auch auf psycho-pathologischen Erkenntnissen beruhen. Dennoch widerspricht sie weitgehend der Sichtweise des ROMAT. Dieser würdigt und gebraucht den Pathos als emotionalisierendes Stilmittel. Dies kann etwa dadurch erfolgen, dass eine irreale Hoffnung oder ein vergangenes Erlebnis glorifiziert werden. Mittel dieser Glorifizierung sind namentlich Lyrik aber auch didaktische Schreiben oder Fantasie.

Praktische WirkungBearbeiten

Die konsequent gepflegte Romantische Schwäche kann leicht zu einem weltfremden und verträumten Lebensstil führen, der teilweise den Bezug zur Realität verliert. Gleichwohl wird dieser Vorgang von Außen zumeist überschätzt. Die Romantische Schwäche fungiert nämlich namentlich als Mittel und nicht als ausschließliche Lebensphilosophie. Andererseits gewährt die Romantische Schwäche Empfindungen, die »charakterstarken« Personen fremd sind.

Parallelen zu Nietsches Décadence-BegriffBearbeiten

Die Romantische Schwäche wird durch zahlreiche Eigenschaften ausgeformt, die Friedrich Nietzsche als zu überwinden beschrieb:

„Der décadence-Instinkt im Guten:

1.Die Trägheit: er will nicht mehr sich verändern,
nicht mehr lernen, er sitzt als „schöne Seele" in sich selber . . .
2.Die Widerstands-Unfähigkeit: z. B. im Mit-
leiden, — er giebt nach (»nachsichtig«, »tolerant«, er versteht Alles; »Friede und den Menschen ein Wohlgefallen« . . .)
3.Er wird geleitet durch alles Leidende und Schlecht-
weggekommene — er ist instinctiv eine Verschwö- rung gegen die Starken.
4.Er bedarf der grossen Narcotica, — wie »das
Ideal«, der »große Mann«, der »Held«, — er schwärmt . . .
5.Die Schwäche, die sich in der Furcht vor Affecten,
starkem Willen, vor Ja und Nein äussert: er ist liebenswürdig, um nicht feind sein zu müssen, — um nicht Partei nehmen zu müssen —
6.Die Schwäche, die sich im Nicht-sehen-wollen
verräth, überall, wo vielleicht Widerstand nöthig werden würde (»Humanität«). — ...
8.Die intellectuelle Lasterhaftigkeit: — Hass auf
die Wahrheit, weil sie keine „schönen Gefühle" mit sich bringt, — Hass auf die Wahrhaftigen — [1]

In diesen Entwürfen kennzeichnet Nietzsche einige Ansprüche, die vom Romantischen Materialismus positiver wahrgenommen werden. In ihm verliert sich die grundlegende Bedeutung der Wahrheit zugunsten eines schöneren Traumes, der von uns verwirklicht werden kann.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Friedrich Nietzsche, Disposition und Entwürfe zum dritten Buch der Umwertung aller Werte, Kröner Verlag, Sämtliche Werke