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DISKUSSION UND DISPUTATION – Das Postulat, die Demokratie funktioniere nicht, scheint mir hinlänglich belegt. Aus dem schlechterdings endlosen Schatz der Argumente will ich nun eines auswählen: Die Demokratie unserer Form unterdrückt ein gesundes Klima der Diskussion und Disputation, anstatt es zu fördern, zumal es der Herdennatur des Menschen widerspricht. Eine ideale Demokratie kann nicht funktionieren, ohne dass das Volk, das per definitionem die Regentschaft trägt, seine Meinung unentwegt überdenkt und durch gegenseitigen Austausch bereichert. Unsere »demokratischen Führer« scheinen diesen Austausch aber keineswegs forcieren zu wollen, sondern suchen vielmehr nach den geeignetsten Trichtern, die sich eignen mögen, Meinungen in die Menschen zu füllen. Gewiss gibt es Diskussion und Disputation, aber nur nach freien Gesetzen. Nur derjenige diskutiert, der es auch tun möchte. Die Regeln einer Diskussion werden selten festgelegt und noch seltener eingehalten. So geraten geplante Diskussionen zu rhetorischen Anstrengungen von wenigen Gehörten und spontane Gespräche zu unbedeutendem Geplauder einer Minderheit. Es ist für die einen gleichsam ein Kampfgespräch, das dem Eigeninteresse entwächst, für die anderen ein schöner Zeitvertreib.[1]

Meditation und Disputation (russ. Медитация и Диспутаця, port. Meditação e Disputação vom lat. meditatio in sich gehen, nachdenken und disputatio Diskussion, dialektische Unterredung) ist eine der zwei wichtigsten Maximen des Romantischen Materialismus. Sie trägt dazu auf, nicht gemäß Konventionen, sondern aufgrund von dialektischer Überlegung oder ebenso gearteter Diskussion zu handeln.

GrundlagenBearbeiten

Aufgrund von Prozessen wie die Demokratisierung oder die idolatrische Dimension der Freiheit zu Ungunsten der Gerechtigkeit sind die Auswirkungen menschlicher Handlungen in vielen Aspekten schwerwiegender als in vergangenen Zeiten (vgl. Extremer Föderalismus). Andererseits sind die Grundlagen dieser Handlungen in sehr vielen Fällen nicht einem dialektischen Nachdenkprozess entwachsen, sondern liegen in einer Fülle von illegitimen Gründen:

  • Populistische Medifikation
  • Mangelnde Sachkenntnis
  • Weglassen bedeutsamer Argumente
  • Übernahme tradierter Wertesysteme
  • Unkritische Übernahme von Konventionen
  • Verweigerung einer globalen Behandlung einer Frage
  • Mangelnde Abgrenzung zwischen faktischer und romantischer Wahrnehmung
  • Selektive Wahrnehmung
  • Unwillkürliche Eingliederung in eine ideelle Einheit
  • Vermiedene Abgrenzung zwischen Emotion und rationaler Analyse
  • Manipulation
  • Gleichgültigkeit
  • ...

All diese Umstände beeinflussen wesentlich die menschliche Koëxistenz, indem sie bedeutsame Vorgänge lenken und zuweilen in die Hände von geschickten Manipulatoren legen. Sie entfremden den Menschen und weißen ihn fort von Werten wie Toleranz oder Gerechtigkeit, die in Prozessen der Meditation und Disputation erkannt und nur schwer entgegnet werden können. Die Maxime kann sich also als Heilmittel der Gesellschaft und Politik erweisen.

Meditation und Disputation in der PraxisBearbeiten

Der ROMAT verfolgt den Impetus, ein Klima zu schaffen, in dem Meditation und Disputation die bedeutendsten Causae einer Entscheidungsfindung sind und nicht weiter unterdrückt werden. Einer Meinung fehlt eine stabile Basis, solange sie ihre Legitimation nicht aus einer schlüssigen Argumentation bezieht, weshalb eine Meinung ohne Begründung für die faktischen Prozesse weitgehend wertlos ist.

Schwieriger ist die Behandlung der Frage, wenn man den Begriff der Meinung mit dem der Emotion ersetzt oder ergänzt. Schon der romantische Aspekt des ROMAT verlangt eine Konzession vor der Gefühlswelt. Gleichwohl können auch auf Gefühlen beruhende Intentionen und Meinungen argumentiert werden. Zuletzt verbleiben Sachverhalte, die vorwiegend emotional konnotiert sind und folglich nicht mittels Meditation und Disputation legitimiert werden können und auch nicht müssen. Diese Sachverhalte beeinflussen dann - wenn sie von ihrer politischen Komponente mittels Dialektik lösgelöst wurden - die politischen Vorgänge allenfalls am Rande.

FehlerBearbeiten

Ideologisch motivierte Sichtweisen folgen einer emotionalen Grundhaltung. Ausgehend von dieser Basis können Argumentationen gestartet werden. Einige Problemstellungen sind mittels Disputation und Meditation nicht zu lösen, weil sie auf einer emotionalen, moralischen, ideologischen Unverträglichkeit basieren. Dieses Problem hat die angeführte Maxime mit allen Formen der Demokratie gemein, wenn sich manche ideologische Standpunkte gleich leichter argumentieren lassen als andere (Widersprüchlichkeit des Katholizismus, Faschismus)

Exklusivität des GedankensBearbeiten

Die jüngere Geschichte der Zivilisationen weißt eindeutig darauf hin, dass eine relevante Notwendigkeit dieser Maxime besteht. Die Erfahrungen zeigen, dass die gegenwärtige politische Struktur vielmehr eine getarnte Diktatur ist, deren Repressalien subtiler und derem Mittel geschickter sind als die, expliziter Diktaturen, als dass sie eine funktionierende Demokratie wäre. Der Ausweg aus dieser Diktatur führt namentlich über diese Maxime, verbunden mit Anforderungen wie Bildung und Interesse.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aphorismen, Reflexionen und andere krumme Gedanken, Fridericus V., Eigenverlag