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Als Klerikalfaschismus wird eine Zusammenarbeit von Kirchen mit faschistischen Parteien und einschlägigen Diktatur|Diktaturen bezeichnet. Aufgrund des Umstandes, dass zahlreiche Kirchen (etwa die evangelische) eher eine lose Struktur aufweisen und deshalb nicht umfassend politisch aktiv sein können, ist in diesem Artikel namentlich vom katholischen Klerikalfaschismus die Rede.

Klerikalfaschismus in Italien, Österreich und SpanienBearbeiten

ItalienBearbeiten

Die politische Struktur Italiens war in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts überaus komplex. Das verhältnismäßig liberale Königreich Italien stand (zumal nach dem Risorgimento) dem Papst eher konträr gegenüber. Der stärker werdende Faschismus bildete sich nach päpstlichem Verständnis also zur rechten Zeit. Nach und nach wurden Verträge abgeschlossen, die Staat und Kirche näher aneinander banden. In diesem Zusammenhang sind vor allem die Lateranverträge zu nennen, die die gegenseitige Anerkennung bedeuteten.

ÖsterreichBearbeiten

Der faschistische österreichische Ständestaat galt lange Zeit als »ideales Modell« eines katholischen, christlichen Staates. Viele Vertreter des österreichischen Klerus unterstützten die faschistische Regierung Dollfuß, besonders bekannt ist in diesem Zusammenhang Kardinal Innitzer. Kirchenvertreter beteiligten sich an der »Säuberung« von Arbeiterbüchereien. Der Papst übermittelte seinen apostolisen Segen an die Führer Österreichs auch noch zur Zeit des Bürgerkriegs im Jahr 1934 als die Faschisten auf Sozialdemokraten und Kommunisten schossen.

SpanienBearbeiten

Die Zusammenarbeit zwischen Kirche und faschistischer Diktatur war in keinem Beispiel dergestalt umfangreich als in Spanien. Der von Franco gegründete Nacionalcatolicismo war eine nationalistische Interpretation des Katholizismus (obwohl dieser Begriff widersprüchlich ist: καθολικος katholikos bedeutet einerseits allgemein, aber auch alle betreffend). Franco räumte der katholischen Kirche weitreichende Befugnisse und Autoritäten ein. Zudem sah der Papst im faschistischen Spanien einen Wall gegen die Gegenkonzepte Anarchismus und Kommunismus. Im Spanischen Bürgerkrieg bekämpften Anarchisten, insbesondere Anarcho-Syndikalisten und Kommunisten die katholische Kirche in Spanien. Im Gegensatz zu anarchistischer und sozialistischer Propaganda äußerte der Vatikan keine Kritik zum Selbstverständnis Francos als »Führer von Gottes Gnaden«, der durch seinen Kampf gegen Anarchismus, Syndikalismus und Kommunismus Gottes Willen auf Erde vollführe.

NationalsozialismusBearbeiten

Beim Nationalsozialismus in Deutschland kann nicht direkt von Klerikalfaschismus gesprochen werden, wenngleich zahlreiche Protestanten dem Nationalsozialismus anhingen. Auch die römisch-katholische Kirche ging längere Zeit eine Komplizenschaft mit den Nationalsozialisten ein. Aus diplomatischen Gründen (der Papst wollte den Verbleib der Kirche in Deutschland gewährleisten) wurden zahlreiche Verträge abgeschlossen, die letztlich eine Anerkennund der NS-Diktatur bedeuteten oder zumindest so interpretiert wurden. Während der Führerkult heftig kritisiert wurde, als er den kirchlichen überstieg, wurde zur Vernichtung von Juden und politischen Gegnern der Nazis geschwiegen. Die 1937 veröffentlichte Enzyklika Mit brennender Sorge verurteilte fast ausschließlich die nationalsozialistische Ideologie, weil sie an die Stelle der katholischen getreten war, thematisierte aber nicht den extremen Antisemitismus oder die Repressionen gegenüber anderen politisch Verfolgten. Entgegen zahlreichen Bitten verurteilte weder Papst Pius XI. (1922 - 1939), noch sein Nachfolger Pius XII. (1939 - 1958) ausdrücklich den Nationalsozialismus, noch kamen sie den vielfach an sie herangetragenen Ansuchen nach, Hitler zu exkommunizieren, wohingegen Pius XII. alle katholischen Kommunisten in Italien exkommuniziert hatte. [1]

Klerikalfaschismus in LateinamerikaBearbeiten

Auch die faschistischen Militärregimes in Lateinamerika stellen typische Beispiele des Zusammenspiels von Katholizismus und Faschismus dar.

Während des gewaltsamen faschistischen Putsches in Chile 1973 und während der Diktatur (1973 - 1990) starben mehr als 3000 Menschen oder verschwanden spurlos. Viele wurden unter grausamen Methoden gefoltert. Als der Diktator Pinochet in England festgehalten wurde, meinte der Präfekt der katholischen Kongregation für Gottesdienst und Sakramente Kardinal Jorge Estevez, er bete für den Diktator, weil er »eine Person ist, die leidet«. In der Zeit der Diktatur, trat allein nie ein Vertreter der katholischen Kirche für die unzähligen Opfer der faschistischen Repressionen ein, vielmehr wurde der Putsch maßgeblich vom katholischen Geheimbund Opus Dei unterstützt. Der Pressesprecher Pinochets sowie drei aufeinanderfolgende Bildungsminister waren Mitglieder des Geheimbundes. In einem Brief an die spanische Tageszeitung El País bat der damalige Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano um die Freilassung des Massenmörders. Beim Papstbesuch im Jahre 1988 spendete Wojtyła dem Diktator selbst die Kommunion, besuchte ihn in seinem Palais und ließ sich zusammen mit mehreren Generälen ablichten.

Auch an der Militärdiktatur in Argentinien waren zahlreiche Mitglieder des Opus-Dei-Bundes beteiligt. Auch der Nuntius in Buenos Aires gehörte der Bewegung an. Später wurde er zum Präfekten der Kongregation für die katholische Erziehung. [2]

Gründe für KlerikalfaschismusBearbeiten

Überschneidungen der IdeologieBearbeiten

Es gibt eine Vielzahl von Überschneidungen von faschistischem Gedankengut mit katholischer Lehre:

  • extrem konservative Ausrichtung
  • Leugnung einer Gleichrangigkeit aller Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Klasse [3]
  • Aufbau nach autoritärem Führerprinzip (Führerkult!)
  • Hervorhebung des Naturrechts
  • absolute Wertgebung

Gemeinsame GegnerschaftBearbeiten

Sowohl die Kirche als auch faschistische Regimes bekämpfen Anarchismus, Kommunismus, Sozialismus, Liberalismus, Syndikalismus und Relativismus.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. vgl.: Hubert Wolf, Papst und Teufel, C.H. Beck, München 2008
  2. vgl. http://www.das-weisse-pferd.com/99_06/opusdei.html
  3. vgl. etwa: Enzyklika Divini Redemptoris, Pius XI., Rom 1973, Kap. 33