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Gerechtigkeit bezeichnet einen Zustand, der jedem Mitglied einer demografischen Einheit dieselben Möglichkeiten gewährt. Gerechtigkeit ist wie die Freiheit, der sie teilweise antonym gegenüber steht, ein Zustand, dessen Wahrnehmung in vielen Fällen relativ ist.

DefinitionsproblemeBearbeiten

Die Frage, was Gerechtigkeit sei, kann nicht als Teil einer allgemein gültigen Definition beantwortet werden, sondern ist vielmehr ein Teil einer ideologischen oder entfremdeten Wahrnehmung.

Zunächst tritt das Problem auf, dass totale Gerechtigkeit schon ob der ungleichen Konditionen nicht gegeben sein kann. Die nächste Frage liegt dann darin, ob der Gerechtigkeit dann Genüge getan wird, wenn die Intention darin besteht, die Ungleichheiten auszugleichen, oder wenn davon ausgegangen wird, dass die natürlichen Voraussetzungen bereits gerecht sind (vgl. Instinkt, Verstandes-Paradoxon) und der Versuch, Gerechtigkeit zu schaffen, zu Ungerechtigkeit führe. Diese Einschätzung ist aber mit zwei gravierenden Problemen verbunden:

1. Die natürlichen Voraussetzungen bestehen nicht mehr, i.e. die Konditionen wurden bereits zu Ungunsten der Gerechtigkeit verändert.
Beispiel: Jeder Kontinent verfügt über die potentielle Möglichkeit, seine Bewohner zu versorgen. Durch Exploitation und ungerechte politische Strukturen besteht diese Möglichkeit aber in vielen Gebieten nicht mehr. Gerechtigkeit muss also neu geschaffen werden.
2. Die gewordene gesellschaftliche Struktur reagiert auf Ungleichheiten anders, als die Natur. Diese Differenzen müssen ausgeglichen werden.
Beispiel: Rassismus ist eine dümmliche, nicht argumentierbare Haltung, die wider die Natur ausgerichtet ist. Dennoch spielt Rassismus in der menschlichen Koëxistenz eine gewisse Rolle. Um diese evidente Ungerechtigkeit ausgleichen zu können, ist ein Eingreifen notwendig.

Gerechtigkeit und FreiheitBearbeiten

Sowohl Gerechtigkeit als auch Freiheit sind Werte, die gemeinhin positiv assoziiert werden. Gleichwohl wird in der allgemeinen Wahrnehmung eine gleichsam idolatrische Verehrung der Freiheit propagiert, die in vielen Fällen auf Kosten der Gerechtigkeit verläuft. In der westlich allgemeinen Wertehierarchie steht die Freiheit mehrere Stufen über der Gerechtigkeit, wobei dieser Umstand nur schwer argumentativ zu legitimieren ist.

Ein typisches Beispiel für den Missbrauch Romantischer Entfremdung der Freiheit liegt in der Befürwortung des ökonomischen Liberalismus, der zunächst die Wirtschaft der Vereinigten Staaten prägte und später das Grundgerüst der Europäischen Union ausbildete. Unter dem gemeinhin bejubelten Vorwand der Freiheit wird eine Reihe von wirtschaftlichen Verbrechen legitimiert. Das Grundrecht auf Freiheit wird aus kannibalistischen Motiven auf den wirtschaftlichen Bereich ausgedehnt, was die gesamte Erwerbs- und Industriewelt in ein Kriegsgebiet transformiert. Versuche, Werte der Ausbeutung mit Werten der Gerechtigkeit zu ersetzen, werden als Freiheitsentzug diffamiert und somit populistisch als untragbar diskreditiert.

Es steht außer Frage, dass die Schaffung einer gerechten Ordnung mit bestimmten Beschneidungen der Freiheit einherginge. Dabei muss aber zunächst festgehalten werden, dass es keinen evidenten, argumentierbaren Grund gibt, der die Freiheit der Gerechtigkeit überordnet. Vielmehr kann argumentiert werden, dass Gerechtigkeit Freiheit schafft, auch wenn sie manche Prinzipien der Freiheit eingrenzt. Das zuweilen gebrauchte Argument, in der neoliberalen Wirtschaftsordnung habe jeder alle Möglichkeiten, gilt nur für eine - namentlich global gesehen - stark begrenzte Elite. Der Großteil der Weltbevölkerung wird aber durch die vermeintliche Freiheit auf eine unbedeutende Variable reduziert, deren Freiheit ausschließlich theoretischer Natur ist.

Es ist bezeichnend für die westliche allgemeine Wertehierarchie, dass sie die Freiheit als Grundrecht etabliert hat, die Gerechtigkeit aber aus zahlreichen Puzzlestücken, die Elemente der Freiheit betreffen, zusammengestellt werden muss. Es ist ferner typisch für die antiromantische Gesellschaft, dass ein vermeintlicher Mangel an Freiheit regelmäßig mit einem laut hörbaren Aufschrei verbunden ist, wohingegen die Ungerechtigkeit in vielen Fällen als hinzunehmendes Übel charakterisiert wird.

Wie kann Gerechtigkeit gewährleistet werdenBearbeiten

Gerechtigkeit steht weitgehend in einer indirekten Korrelation zur Freiheit, was aber nicht einen Konsens ausschließt. Bestrebungen der Gerechtigkeit Suchenden sind nicht primär darauf hin ausgerichtet, die Freiheit zu untergraben, sondern Werte der Gerechtigkeit zu etablieren. Mittel, dieses Ansinnen zu bewerkstelligen sind:

  • Aufheben des wirtschaftlichen Liberalismus
  • Ersetzen durch zentralistische Planwirtschaft oder
  • Verstaatlichung der wirtschaftlichen Kernbereiche
  • Gesetzliche Regulierung des Kapitalmarktes
  • Schaffung einer breiten Masse an öffentlichem Gut
  • Gewährleistung einer staatlichen, öffentlichen Bildung und medizinischer Versorgung
  • Aufbau einer politischen Ordnung nach dialektischem Prinzip
  • Schaffung eines Bewusstseins der Gerechtigkeit
  • Eliminierung von Ungerechtigkeiten, deren Auslöschen nur mittelbar die politische oder wirtschaftliche Struktur betrifft (z.B. Justiz, Religion, Volksgruppen).

Diese Fülle von Schritten beeinträchtigt nicht, oder nur in geringem Maße die Bestrebungen der Freiheit, vermöge aber doch, wesentliche Änderungen zu Gunsten der Freiheit zu erwirken.

Siehe auchBearbeiten