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Wer mehr Tore schießt, gewinnt. Das ist brutal und kriminell[1]

—Jeff Strasser

Fußball ist ein Sport, der sich im Laufe der Jahre zu einem Kulturgut entwickelt hat, das selbst in eine Reihe von Kulturen zerfällt. Das Spiel hat Anteil an allen Bereichen des Lebens und bereichert seinerseits alle Bereiche des Lebens.

Die BasisBearbeiten

Die Basis des Spiels stellt das Regulativ des Fußballs dar, in dem festgelegt wird, welches das eigene Ziel des Spiels ist und unter welchen Bedingungen es erreicht werden kann.

Die einfachen Grundlagen des Fußballspiels dürften jedem bekannt sein. Das Ziel liegt darin, ein Spiel zu gewinnen, indem man unter Beachtung der Spielregeln mehr Tore erzielt als der Gegner.

Der SpielkultBearbeiten

Von dieser einfachen Basis ausgehend hat sich eine enorme Vielfalt an Spielauffassungen, taktischen Prinzipien und spielerischen Finessen entwickelt. Der Fußballsport ist zu einer wahren Wissenschaft gewachsen, die von theoretisierenden Tüftlern wie Instinkt-Fußballern gleichermaßen geprägt wird, wobei das eine stets zumindest mit einem Ansatz des andern auftritt.

Ursachen der VielfaltBearbeiten

Die taktische Ausrichtung, das spielerische Konzept und die Realisierung eines veritablen Spielstils sind im Fußball sehr komplex. Das liegt — neben einer Reihe von anderen Faktoren — an der ungemeinen Facettenvielfalt, dier das Spiel bietet. Es spielen nicht allein, als es sich mit zahlreichen anderen Sportarten verhält, fünf oder sechs Spieler, sondern 11, was die taktischen Möglichkeiten und die Unberechenbarkeit des Spiels in die Höhe treibt. Ferner erlaubt es die Natur des Spieles (also der Umstand, dass der Ball mit allen Körperteilen denn der Hand und des Armes gespielt werden kann), den Ball auf dutzenderlei Art zu spielen und mit Schärfe, Länge und Kurve des Zuspieles bzw. Schusses zu variieren. Ein Spieler, dem im Mittelfeld der Ball zugespielt wird, muss in Sekundenschnelle entscheiden, ob er den Ball weiterspielen oder annehmen wolle, ob er auf das Tor zu schießen oder ein Dribbling wagen wolle. In jeder dieser Möglichkeiten eröffnet sich eine weitere Vielfalt an Möglichkeiten. Entschließt er sich zu einem Abspiel, stellt sich die Frage, wen er anspielt, ob er in den Lauf, oder »in die Beine« spielt, ob er den Raum öffnen, oder das Spiel beruhigen will, mit welcher Brisanz der Ball gespielt werden soll usf. Ferner wird jede Entscheidung sofort zum Teil einer Spielkultur.

SpielauffassungenBearbeiten

In der Entwicklung des Spieles haben sich viele Kulturen des Spielstils entwickelt, die häufig einer Nation oder auch gewissen Mannschaften zugeschrieben werden, die sie geprägt haben. Gleichwohl wurden diese Spielauffassungen in den letzten Jahren teilweise vernachlässigt oder verwässert, was auf die Vermischung von Spielkulturen, Entwicklung des Spieles als Ganzes oder taktische Überlegungen zurückzuführen ist.

Zwei sich typischerweise diametral gegenüberstehende Spielauffassungen sind einerseits das typisch britische Kick and Rush sowie das typisch südländische Kurzpassspiel.

Das Kick and Rush, das in seiner Urform heute kaum noch gepflegt wird, vertraute auf die physische Stärke seiner Angreifer. Diese Strategie wurde typischerweise im britischen 4-3-3 System gespielt, wobei ein bulliger und großer Mittelstürmer von zwei flinken und technisch starken Außenspielern (»wings«) unterstützt wurde. Das Konzept bestand darin, dass Verteidiger weite Bälle nach vorne spielten, die der Mittelstürmer auf einen seiner Flügel weiterleiten sollte. Dieser Spielstil zeichnet(e) sich vor allem durch Rasanz und direkten Zweikampf aus.

Wesentlich subtiler geht das Kurzpassspiel an die Angelegenheit heran. Dabei wird versucht, durch schnell vorgetragene Kombinationen den Abwehrwall des Gegners auszuspielen. In vollendeter Ausführung wird der Ball dabei von 5-7 Spielern einmal berührt und vom letzten in das Tor gespielt. Für diese Art des Spieles sind namentlich lateinamerikanische Mannschaften bekannt. Voraussetzung für diesen Spielstil sind technisch hervorragende Spieler, die über eine hervorragende Übersicht verfügen, gut antizipieren können und durch eine hohe Laufbereitschaft überzeugen.

Das Variantenspiel ist eine internationalere und modernere Spielauffassung. Mannschaften, die tendenziell zu diesem Stil neigen, verfügen über Spieler, die im Aufbau variieren können. Es kann dann die vornehmliche Auffassung einer Mannschaft sein, den Ball mittels Kurzpassspiel in den gegnerischen Strafraum zu spielen. Wenn es das Spiel aber anbietet, oder der Gegner durch geschicktes Pressing das Kombinationsspiel stört, kann auf weite Pässe umgeschaltet werden, die — im Gegensatz zu weiten Pässen im klassischen Kurzpassspiel — auch »auf Verdacht«, d.h. einfach in den Lauf eines starken Stürmers gespielt werden, auch wenn er nicht frei postiert ist. Genauso zählt das Dribbling, das typischerweise auch eine Methode des Kurzpassspieles darstellt, zu möglichen Varianten.

VereinskultBearbeiten

Diego Maradona Napoli

Altar für Diego Maradona in Napoli

Ein Fußballverein stellt für eine enorme Vielzahl an Personen ein bedeutendes Identifikationsbild dar, in das man sich — schon durch ideologische Zugehörigkeit — kollektiv integriert begreift. Der romantische Aspekt dieses Lemmas ist also ungemein bedeutend. Nicht selten wird auch der Begriff »Ersatzreligion« oder Religion im Allgemeinen im Vergleich zur Identifikation mit einem Verein gebraucht. In der Tat können zahlreiche Vergleiche gezogen werden: Es gibt ein Heiligtum, zu dem gepilgert wird, es gibt eine Gemeinschaft der Gläubigen, es gibt Heilige und es gibt eine verhältnismäßig dualistische Sicht auf die Dinge und das Bestehen von Gut und Böse. Es werden »Kirchenlieder« gesungen, Flaggen und Konfettiregen bilden einen beeindruckenden Altar. Es kommt in diesem Zusammenhang allein darauf an, die Transition eines Teams von einer Assoziation von Spielern und Repräsentanten zu einem heiligen, mystischen Phänomen zu fühlen und emotional herbeizurufen.

Politische KomponenteBearbeiten

Einige Vereine, namentlich in Italien, gewinnen ihre Seele nicht unwesentlich aus politischen Verknüpfungen. In diesem Fall finden Anhänger nicht nur eine fußballerische, sondern auch eine politische Heimat in ihrem Verein. Es treten sodann politische wie fußballerische Emotionen in eine Korrelation, welche die jeweiligen Emotionen potenziert und jeweils zu einer großen Emotion erstarken lässt. Wenn die Tifosi Livornesi das alte Partisanenlied Bella Ciao auf den Lippen haben, formiert sich die ganze Tribüne zu einer kollektiven Einheit.

Verständnis als KunstBearbeiten

Ein weiterer Bestandteil der Mystifikation des Fußballs liegt in der romantischen Entfremdung von äußerster Virtuosität zu Kunst. Spieler wie Maradona oder Rui Costa werden zu Künstlern, die da Vinci, Bizet oder Boccaccio gleichen. Ihre eigene Art der Dribblings, ihre aus dem Fußgelenk geschüttelten Passes, die ganze Abwehrreihen zerreißen, gelten als glänzende Abbilder ihrer Kreativität und Schaffenskraft. Es sind Spieler wie sie, die ganze Tausendschaften an Fans tragen und Mannschaften allein durch ihre Genialität zum Sieg führen. Gerade solche Spiele genießen ein mystisches Antlitz, da sie gleichsam durch einen Deus ex machina und nicht durch Arbeit und Kampf entschieden wurden.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. sprechen sie fußball? die schönsten sprachfouls, Residenz Verlag, 2006